Luka Oblak
Vom Zahlenjongleur zum Architekten finanzieller Intelligenz
Acht Jahre in derselben Steuerkanzlei nahe dem Prešeren Platz. Abschluss an der Universität Ljubljana, stabile Arbeit, vorhersehbare Tage. Morgendlicher Kaffee, Kontobücher, Steuererklärungen, Jahresabschlüsse. Am Wochenende Radfahren in den Julischen Alpen. Bequem.
Anfang 2024 installierten sie neue KI Software. Bankabstimmungen, für die ich früher Stunden brauchte? In Minuten erledigt. Steuerberechnungen? Automatisiert. Ein jüngerer Kollege machte einen Witz darüber, dass KI unsere Jobs übernimmt. Ich fand es nicht lustig.
Ich machte die JobRipper Bewertung während der Mittagspause an einem Dienstag. Hohes Risiko für Dateneingabe und Buchhaltung, niedriges Risiko für Beratungsarbeit. Ergab Sinn. Das Problem war, dass meine Kanzlei keine Berater brauchte. Sie brauchten Leute für die Arbeit, die die KI noch nicht erledigen konnte. Und dieser Bedarf schrumpfte.
Ich versuchte, mich intern neu zu positionieren. Fragte nach Beratungsrollen und Kundenarbeit. Mein Chef sagte vielleicht in ein oder zwei Jahren, aber im Moment brauchten sie mich dort, wo ich war. Trotzdem begann ich, Kurse zu belegen. Finanzanalytik, Xero KI Funktionen, DATEV Tools. Ich ging davon aus, dass ich sie irgendwann brauchen würde.
Im sechsten Monat entließen sie zwei Buchhalter. “Restrukturierung.” Die Zeichen waren eindeutig. Ich begann, mich bei anderen Firmen zu bewerben, mit Fokus auf Beratungspositionen. Vier Absagen. Zu wenig Kundenerfahrung. Ein klassisches Dilemma. Keine Beratungserfahrung, weil ich in der Transaktionsverarbeitung feststeckte.
Die fünfte Bewerbung klappte. Eine kleinere Firma in Ljubljana, die ihre Beratungsleistungen ausbaute. Ich akzeptierte eine Gehaltskürzung von 15 Prozent. Aber die Rolle war anders. Kundenstrategie, EU Regulierung, Geschäftsplanung. Weniger Automatisierung, mehr menschliches Urteilsvermögen.
Ich bin jetzt seit drei Monaten dort. Die Arbeit ist anspruchsvoller als zuvor. Längere Arbeitszeiten, steilere Lernkurve. Kunden erwarten Expertise, die ich mir noch erarbeite. Letzten Monat machte ich einen Fehler bei einer EU Steuererklärung und musste ihn schnell korrigieren. Mein Chef war nicht begeistert.
Ich bin seit Wochen nicht mehr mit dem Rad zum Bleder See gefahren. Zu beschäftigt. Der Karrierewechsel war nicht glatt, nicht schön und keine triumphale Verwandlung. Eher ein hektisches Ringen, um relevant zu bleiben. JobRipper zeigte mir die Richtung. Der Weg dorthin war chaotisch.